Nach der Bekanntgabe des Testergebnisses wurde ich als Aussätziger behandelt. Keiner durfte mit mir Kontakt aufnehmen. Der ÖSV hat mir zuerst nahegelegt, auf Urlaub zu fahren und Gras über die Sache wachsen zu lassen. Dann hätte ich eine Hormonbehandlung machen und eine Frau bleiben sollen. Damit die Goldmedaille nicht in Gefahr wäre, haben sie gesagt. Wenn ich das gemacht hätte, dann würde heute jeder mit dem Finger auf mich zeigen.
Bis heute stellen mir Leute blöde Fragen, und manchmal ertappe ich mich selber, dass mir etwas sehr weh tut, weil mich ja auch meine Zeit als Mädchen sehr geprägt hat. Das schönste wäre gewesen, dass es von Geburt an anders gelaufen wäre, dann hätte ich wohl auch ein anderes Berufsziel gehabt. Aber so musste ich immer Defizite ausgleichen und mich mit viel Fleiß durcharbeiten. Ich war nicht viel besser dran als eine Frau, die sich in der Männerwelt bestätigen muss, aufgrund meines Vorlebens.

